Menschen bei der WGH

Blau, Grün, Gelb, Rot - frische Farben für Hausfassaden

Ein Trend fasst auch im Hamelner Stadtbild Fuß / Erlaubt ist fast überall, was gefällt / Weiß und Grau sind passé

 

VON KARIN ROHR

 

Hameln. Irland-Fans kennen sie von Urlauben auf der „grünen Insel“: tomatenrote, knallblaue, quietschgelbe Häuser. Spektakuläre Farbtupfer unter einem oft bleigrauen Himmel, die aufleuchten, wenn die Sonne durch die Wolken bricht. Bunt, ganz bunt sind dort viele Dörfer. Und bunter wird’s, wenn man sich umschaut, auch in Hameln. Frische Fassaden in zarten Pastelltönen, aber auch in satten, kräftigen Farben haben vielerorts das Einheitsweiß und fade Grau- und Braunabstufungen abgelöst. „Farbe zeigen!“ propagieren Trendsetter. Geht’s um die Schönheitskur fürs Haus, sind derzeit kräftige Töne angesagt, halten Hersteller und Heimwerkermärkte eine überwältigende Fülle frischer Farben für den Fassadenanstrich bereit. Der neue Mut zur Farbe hat viele Gründe Sind die bunten Dörfer in Irland einst als Reaktion auf die Tristesse der Nachkriegszeit und später als sichtbares Zeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung und damit einhergehende Dorfverschönerungsmaßnahmen zu sehen, so kann man über den neuen Mut zur Farbe in Hameln nur spekulieren: der Wunsch, sich individuell abzuheben, Anregungen aus Urlaubsländern, ein sich wandelnder Geschmack, Trendbewusstsein – die Gründe sind so unterschiedlich wie vielfältig.

 

„Sowohl im Außen- als auch im Innenbereich ist mehr Farbe gefragt“, hat Malermeister Ernst Deutsch festgestellt. Nach dem Krieg habe es erst die Grau-, dann die Braun- und schließlich die Weiß-Welle gegeben. Damit sei jetzt Schluss. „,Man löst sich von der tristen Welle. Intensive Farbtöne sind im Trend“, weiß Deutsch, der als einer der ersten in Hameln kräftige Fassadenakzente setzte und Farbe liebt: „Aber es darf nicht kitschig sein“. „Ein bisschen Farbe sieht einfach frischer aus“, sagt Kathrin Zabock, Assistentin der Geschäftsleitung bei der Hamelner Wohnungsbaugesellschaft (HWG). Wie auch die Wohnungsgenossenschaft Hameln (WHG) beweist diese bei ihren Fassadenrenovierungen längst Mut zur Farbe. Die „Frischzellenkuren“ für die Häuser kommen bei den Bewohnern gut an, hat man bei der HWG festgestellt. So wurde für den Komplex am Lachsgrund ganz bewusst eine mit Blau abgesetzte Lachsfarbe gewählt. Und beim Verwaltungsgebäude peppte man das Grau mit einem kräftigem Gelb auf. Ganz mutig ist man bei der WGH: Tomatenrot sind die neuen von der Genossenschaft verwalteten Gebäude auf dem Scharnhorstgelände. „Das hat mediterranen Charme“, sagt WGH-Chef Heinz Brockmann. Frischer in der Optik wurde man schon Jahre früher, engagierte eigens Farbdesigner, die zum Beispiel am Buchenweg auf dem Hammelstein mit warmen Pastelltönen für individuelle Noten bei den Hausblöcken sorgten und auch die Eingänge unterschiedlich gestalteten. „Die Bewohner sind begeistert“, weiß Brockmann. Alles sei schöner und heiterer geworden. Während sich bei Anlagen mit Eigentumswohnungen die Eigentümerversammlung auf den optischen Rahmen einigt und für die Gemeinschaft gültige Regeln aufstellt, kann der Häuslebauer ganz nach Gusto entscheiden, ob er sein Domizil rot, blau, gelb oder grün streichen will. Keine städtische Reglementierung „Es gibt keine städtische Reglementierung“, sagt Stadtpressesprecher Heiko Schröder. Das habe man im Bebauungsplan für das Wangelister Feld 1 zwar mal probiert, aber: „Die Akzeptanz von Seiten der Bauwilligen war gleich null“. Selbst bei denkmalgeschützten Häusern ist der Spielraum groß. Allerdings muss hier die farbige Fassadengestaltung der jeweiligen Epoche und der Umgebung angepasst sein und genehmigt werden. Doch egal, ob pastellzart oder kräftig, harmonisch in den Abstufungen oder kontrastreich – wenn es um Farbwahl und Farbkombinationen geht, weichen die Geschmäcker der Hausbesitzer oft stark voneinander ab. Für welche Farben man sich auch entscheidet – „sie haben Auswirkungen auf das Gemüt“, sagt Ernst Deutsch. Dabei gibt es weitgehende Übereinstimmung, wie Farben empfunden werden:

 

Gelb wirkt strahlend und weitend, Töne dieser Farbe erzeugen ein heiteres Lebensgefühl.

 

Orange vermittelt als Mischfarbe von Gelb und Rot Lebhaftigkeit und Bewegung.

 

Rot signalisiert Selbstbewusstsein, kann erwärmend und prächtig wirken.

 

Braun ist ein erdhafter Ton, der sich gut mit Gelb-, Orange und Ocker-Tönen kombinieren lässt.

 

Grün liegt an der Grenze von kalter und warmer Farbe und kann je nach Schattierung sensibel, frisch oder beruhigend wirken.

 

Blau wirkt je nach Farbintensität und Schattierung kühl, frisch oder kräftig.

 

Violett sollte keine dominierende Rolle spielen, kann aber feine Akzente in harmonischer Verbindung mit anderen Tönen setzen.

 

Grau gilt als neutrale bis kühle Farbe und wird gern Ton in Ton kombiniert oder bildet den neutralen Hintergrund für farbliche Knalleffekte.

 

In Hameln sind zurzeit, so Ernst Deutsch, warme, sonnige, heitere Farben wie Gelb, Apricot und Terrakotta am beliebtesten. Muntermacher für die Seele – gerade, wenn die Tage kalt oder verregnet sind...

 

 

Quelle: Dewezet vom 10. April 2007